Aktuelles | Vorträge

 

Vorträge des Mindener Geschichtsvereins in der Saison 2018/2019

Der Eintritt zu allen Vorträgen ist frei.

 

 

Dienstag, 11. September 2018, 19.30 Uhr

Offene Kirche St. Simeonis, Simeoniskirchhof 6, Minden

Prof. Dr. Jürgen Kampmann, Tübingen

200 Jahre Kirchenkreis Minden

 

Nachdem 1815 aus verschiedenen Einzelterritorien die preußische Provinz Westfalen gebildet worden war, wurden auch Bemühungen unternommen, das evangelische Kirchenwesen in der Provinz in einer einheitlichen Weise zu leiten und zu verwalten. Als regionale mittlere Leitungs- und Verwaltungsebene wurden daher 1818 Kirchenkreise eingerichtet, die damals als "Diöcesen" bezeichnet wurden. Diese wurden durch einen Superintendenten geleitet. 2018 steht damit auch für den Kirchenkreis Minden das 200-Jahr-Jubiläum an. In dem Vortrag soll Einblick gegeben werden in die damals im Vorfeld der Einrichtung der Kirchenkreise geführten Debatten und über die Probleme, die es bei der praktischen Umsetzung der Einrichtung der Kirchenkreise in Minden und anderwärts in Westfalen gab, bis nach zwei Jahrzehnten im Zuge einer ersten "Kirchenkreisreform" der Kirchenkreis Minden seinen im Wesentlichen bis heute bestehenden Zuschnitt erhielt.

 

Prof. Dr. Jürgen Kampmann ist Inhaber des Lehrstuhls für Kirchenordnung und Neuere Kirchengeschichte an der Evangelisch-Theologischen Fakultät Tübingen und u.a. 2. stellvertretender Vorsitzender des Vereins für Westfälische Kirchengeschichte e.V.

 

Die Veranstaltung ist eine Kooperation von Kirchenkreises Minden und Mindener Geschichtsverein.

 

 

Freitag, 2. November 2018, 19.30 Uhr

Haus am Dom, Kleiner Domhof 30, Minden

Prof. Dr. Thomas Vogtherr, Osnabrück

Bischof Benno II. von Osnabrück (1068–1088) – Reichsfürst im Investiturstreit und Urkundenfälscher

 

Das Leben und Wirken Bischof Bennos II. von Osnabrück (1068–1088) ist einerseits durch die ihm gewidmete Lebensbeschreibung aus der Feder des Abtes Norbert von Iburg gut belegt. Darin begegnet man dem Bischof als einem weitgereisten und umfassend ausgebildeten Kirchenmann, dessen besondere Qualitäten in seiner Tätigkeit als Bauspezialist, unter anderem beim Dombau in Speyer, und in der Wirtschaftsverwaltung geschildert werden. Weit über die Diözese Osnabrück bedeutend wird Benno II. als enger Gefolgsmann Kaiser Heinrichs IV. während der Auseinandersetzungen des sog. Investiturstreits. Die Lebensbeschreibung Bennos beschreibt zahlreiche Episoden aus diesen Jahren ausgesprochen farbig. Nichts zu finden ist in ihr allerdings zu einem weiteren Wirkungsfeld dieses Bischofs: Er war einer der umtriebigsten und erfolgreichsten Urkundenfälscher seiner Zeit und des deutschsprachigen Mittelalters überhaupt. In Auseinandersetzungen vor allem mit der Abtei Corvey baute er durch diese Fälschungen den Besitzstand und die Vorrechte seines Bistums ebenso systematisch wie skrupellos aus. Auch davon wird in diesem Vortrag die Rede sein.

 

Prof. Dr. Thomas Vogtherr (geb. 1955) war 1993–2001 Inhaber der Professur für Historische Hilfswissenschaften an der Universität Leipzig und ist seit 2001 Professor für Geschichte des Mittelalters an der Universität Osnabrück. Von 2006–2016 leitete er die Historische Kommission für Niedersachsen und Bremen. Er ist korrespondierendes Mitglied der Historischen Kommission für Westfalen.

 

Der öffentliche Vortrag findet im Rahmen der Tagung „Der Bischof im mittelalterlichen Reich“ statt. Die Tagung wird vom Historischen Seminar der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel veranstaltet. 

 

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Im Rahmen unserer Veranstaltungsreihe "Ahnenstätten", völkische Bewegung und extreme Rechte findet statt:

 

Mittwoch, 7. November 2018, 19.30 Uhr

Altes Amtsgericht, Mindener Straße 16, 32469 Petershagen

Jan Raabe, Bielefeld und Dr. Karsten Wilke, Herford Erscheinungsformen der extremen Rechten in Ostwestfalen-Lippe

 

In Ostwestfalen-Lippe existiert seit Jahrzehnten eine aus- differenzierte, aber gut vernetzte extrem rechte Szene. Dazu gehören u.a. militante Neonazis, eine im bürgerlichen Gewande auftretende Holocaust-Leugnung und organisierte Familienzusammenschlüsse, die ihre Kinder im Geiste des Nationalsozialismus erziehen.

Der Vortrag gibt einen Überblick über die unterschiedlichen Erscheinungsformen der extremen Rechten in Ostwestfalen- Lippe und betrachtet hierbei auch die völkisch-rechtsextreme Szene um die „Ahnenstätte Seelenfeld“ in Petershagen. Neben der Darstellung von Organisationen und Szenen geht es auch darum, Politikansätze der extremen Rechten herauszuarbeiten. Hervorzuheben ist hierbei die Agitation gegen Geflüchtete und gegen das Grundrecht auf Asyl, die nicht zuletzt über einen erstarkenden Rechtspopulismus zunehmend Einfluss auf gesellschaftliche Debatten gewinnt

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Dienstag, 11. Dezember 2018, 19.30 Uhr

LWL-Industriemuseum Glashütte Gernheim, Gernheim 12, 32469 Petershagen

Nora Klöpper, Halle (Saale)

Formen und Funktionen des Plattdeutschen im Raum Petershagen heute

 

In ihrem Vortrag stellt Nora Klöpper die Ergebnisse aus ihren zwei Forschungsarbeiten vor. Sie untersuchte anhand von soziolinguistischen Fragestellungen die heutige Verwendung des Plattdeutschen in Ovenstädt und Hävern: Wer spricht welche Sprache wie und wann mit wem unter welchen sozialen Umständen und mit welchen Absichten und Konsequenzen? Die Referentin beleuchtet zum einen die Gründe für den Wandel des Plattdeutschen in der Region Petershagen und zum anderen die Frage, welche Bedeutung dörfliche Strukturen für den Gebrauch des Plattdeutschen heute haben.

 

Nora Klöpper wuchs in Ovenstädt auf. Bachelor- und Masterstudium der Sprachwissenschaften, Literaturwissenschaften, des Italienischen und der Geschichte an der MLU Halle-Wittenberg von 2008–2017. Sie unterrichtet in Halle (Saale) Deutsch als Zweitsprache für Erwachsene. 

 

 

Dienstag, 15. Januar 2019, 19.30 Uhr

Hansehaus, Papenmarkt 2, Minden

Dr. Julia Hallenkamp-Lumpe und Dr. Sven Spiong, Bielefeld

Archäologie in Ostwestfalen: aktuelle Grabungen und Funde

 

Seit über 7000 Jahren gibt es in unserer Region reiche Kulturlandschaften. Die Menschen, die sie prägten, haben dort immer wieder ihre Spuren im Boden hinterlassen, auf die häufig Archäologen stoßen. So konnten die Forscher zu den ersten Bauern im Warburger Raum oder zu über 3000 Jahre alten Gräbern der Bronzezeit bei Minden neue Erkenntnisse gewinnen. Die vielen einzelnen Funde wirken dabei wie Puzzlesteine, die sich zu einem immer deutlicheren Bild unserer Vergangenheit zusammensetzen lassen.

 

Dr. Julia Hallenkamp-Lumpe (geb. 1974), Studium der Ur- und Frühgeschichte, Mittelalterlichen Archäologie und Volkskunde in Münster, Promotion über Ofenkacheln des 12.–17. Jh. in Westfalen-Lippe, seit 2013 wissenschaftliche Referentin in der Außenstelle Bielefeld der LWL-Archäologie für Westfalen.

 

Dr. Sven Spiong (geb. 1965), Studium der Ur- und Frühgeschichte, Geschichte und Volkskunde in Göttingen und Freiburg, 1997 Promotion über mittelalterliche Gewandnadeln als Zeichen für menschliche Identität, seit 1997 bei der LWL-Archäologie tätig, seit 2015 Leiter der Außenstelle in Bielefeld (zuständig für Ostwestfalen).

 

 

Dienstag, 12. Februar 2019, 19.30 Uhr

Mindener Museum, Ritterstraße 23–33, Minden

Sebastian Schröder M.A., Münster

Aus Dörfern werden Städte: Die preußischen Akzisereformen in Minden-Ravensberg am Beginn des 18. Jahrhunderts

 

1719 erließ der preußische König Friedrich Wilhelm I., Landesherr in der Grafschaft Ravensberg und im Fürstentum Minden, ein besonderes Edikt: Er verlieh mehreren Dörfern in Minden und Ravensberg die Stadtgerechtigkeit. Gleichzeitig führte der Landesherr die Akzise ein, eine bestimmte Form der indirekten Steuer. Deshalb wurden diese Orte unter der Bezeichnung „Akzisestadt“ bekannt.

Der Referent untersucht die Stadtwerdung dieser Orte (Pr. Oldendorf, Hausberge, Petershagen, Schlüsselburg und Rahden) vor 300 Jahren unter folgenden Fragestellungen: Wie sah das Leben und Wirtschaften in diesen Siedlungen des Minden-Ravensberger Landes aus? Wie gingen der König und seine Beamten vor? Und welche Auswirkungen hatte das Reformwerk?

 

Sebastian Schröder M. A., Studium der Geschichte und der Wirtschaftswissenschaften in Bielefeld und Münster. Abschluss des Studiums 2016 mit einer Arbeit über die „Lübbecker Mark“, publiziert 2018 unter dem Titel „Die Lübbecker Mark. Die Organisation städtischer Markenherrschaft im Minden-Ravensberger Land (1570–1800)“. Zurzeit Promotion bei Prof. Dr. Werner Freitag an der Abteilung für Westfälische Landesgeschichte der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster zu den preußischen Akzisereformen.

 

 

Dienstag, 5. März 2019, 19.30 Uhr

LWL-Preußenmuseum Minden, Simeonsplatz 12, Minden

Prof. Dr. Peter Brandt, Hagen

Vor 100 Jahren: Revolution und Republikgründung. Die deutschen Ereignisse im internationalen Kontext

 

Infolge der militärischen Niederlage kam es im Herbst 1918 zum revolutionären Umsturz der politischen Ordnung in Deutschland. In einer zweiten Phase der Revolution setzten sich die Befürworter der parlamentarischen Demokratie gegen radikalere rätesozialistische Bestrebungen eines Teils der Arbeiterschaft durch, wobei jedoch wesentliche Anliegen auch der gemäßigten Segmente der Arbeiter- und Volksbewegung vom November nicht zum Zuge kamen. Die deutschen Ereignisse gehörten zu der internationalen demokratischen, nationalemanzipatorischen und sozialrevolutionären Welle, die ganz Europa am Ende des Ersten Weltkriegs und in der unmittelbaren Folgezeit erfasste, ausgehend vom Sturz des Zarismus in Russland im März 1917.

 

Peter Brandt, Prof. Dr. phil. habil., war von 1989–2014 Leiter des Lehrgebiets Neuere deutsche und europäische Geschichte an der FernUniversität in Hagen und von 2003–2017 Direktor des interdisziplinären Dimitris-Tsatsos-Instituts für Europäische Verfassungswissenschaften ebd. Zahlreiche Buch- und Zeitschriftenveröffentlichungen zu einem breiten Themenspektrum der deutschen und europäischen Geschichte des 17.–20. Jahrhunderts, daneben politische Publizistik, Herausgeber des Online-Magazins GlobKult, diverse Ehrenämter, u. a. im Vorstand der Friedrich-Ebert-Stiftung.

 

 

Vortragsprogramm Mindener Geschichtsverein 2018/2019
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