Aktuelles | Vorträge

 

Vorträge des Mindener Geschichtsvereins in der Saison 2019/2020

Der Eintritt zu allen Vorträgen ist frei.

 

 

Dienstag, 8. Oktober 2019, 19.30 Uhr

LWL-Preußenmuseum Minden, Simeonsplatz 12, Minden 

Johannes Kessler, Remscheid

Das Aufkommen des Nationalsozialismus

in Schaumburg-Lippe 1923–1933

 

Als kleinster Teilstaat der Weimarer Republik galt Schaumburg-Lippe lange als Hort politischer Stabilität und Inbegriff beschaulich-kleinstaatlicher Verhältnisse. Vielen Zeitgenossen erschien daher die nationalsozialistische Machtübernahme 1933 als eine von außen erzwungene Besatzung ohne Berücksichtigung der landestypischen Gegebenheiten und Akteure.

Johannes Kesslers Untersuchung der Anfänge des Nationalsozialismus in Schaumburg-Lippe zeichnet jedoch ein anderes Bild. Sie zeigt, dass sich bereits in den 20er Jahren eine Reihe republikfeindlicher, völkischer und nationalistischer Organisationen etablieren konnten, die erheblich zu dem Aufstieg der NSDAP beitrugen. Auf dieser Grundlage entwickelte die NSDAP in der Endphase der Republik einen schlagkräftigen Parteiapparat, der ihr das Eindringen in die kleinstädtisch-mittelständischen wie auch in die ländlichen Milieus ermöglichte. Am Ende dieses Prozesses trafen ihre Parolen aber auch bei traditionell republikanischen Schichten auf Resonanz, so dass die eigentliche Machtübernahme der Nationalsozialisten aus heutiger Sicht als Endpunkt einer geradlinigen Entwicklung erscheint.

 

Johannes Kessler (geb. 1950) studierte Anglistik und Geschichte an der Universität Köln. Bis zu seiner Pensionierung unterrichtete er an Schulen in Minden und Remscheid. Zu seinen Publikationen zählen Planungsmaterialien für den Geschichtsunterricht und Abhandlungen zu lokalhistorischen Themen. Er ist Vorstandsmitglied des Bergischen Geschichtsvereins, Abt. Remscheid.

 

 

Freitag (!), 15. November 2019, 18 Uhr

LWL-Industriemuseum Glashütte Gernheim

Gernheim 12, 32469 Petershagen, Gebäude Ost

Heiko Suhr, Vechta

Eine Frau im militärischen Nachrichtendienst: Elisabeth Schragmüller

 

Informationsgewinnung durch Spionage gehört wohl zu den populärsten Themen der historischen Forschung. Die für den Erfolg nachrichtendienstlicher Arbeit entscheidenden mittleren Ebenen zwischen Leitung und den Agenten im Feld werden jedoch nur selten beleuchtet. Zu diesem Personenkreis gehört auch die im Kreis Minden geborene Amtmannstochter Elisabeth Schragmüller (1887–1940). Ihre ohnehin schon bemerkenswerte Biografie (Abitur in Karlsruhe, Studium und Promotion in Freiburg, Sozialarbeit in Berlin) wurde im Ersten Weltkrieg geradezu einzigartig. Sie stieg in der völlig männlich dominierten Welt des militärischen Geheimdiensts durch analytischen Verstand und empathisches Geschick zur Leiterin der für ganz Frankreich zuständigen Sektion der Kriegsnachrichtenstelle Antwerpen auf. Damit saß sie als einzige Frau im Zentrum der deutschen Spionage. Schon im Weltkrieg wurde ihre Tätigkeit zum fiktionalen Mythos verklärt, „Mademoiselle Docteur“ wurde weltbekannt. Nach dem Kriegsende war sie wissenschaftlich tätig. Sie verstarb nach langer Krankheit völlig verarmt 1940 in München.

 

Der Vortrag ist eine Kooperation zwischen dem LWL-Industriemuseum Glashütte Gernheim und dem Mindener Geschichtsverein.

 

Der Referent Heiko Suhr (geb. 1983) ist Historiker und hat bis März 2019 an der Universität Vechta/Niedersachsen zum Thema „Wilhelm Canaris. Lehrjahre eines Geheimdienstchefs. Die Marinelaufbahn des späteren Admirals Wilhelm Canaris (1905–1934)“ promoviert. Nach dem erfolgreichen Abschluss arbeitet er seit April 2019 als Leiter des Stadtarchivs Wesel. Er veröffentlichte zahlreiche Publikationen zur nordwestdeutschen Regionalgeschichte (Schwerpunkt: NS-Zeit) und zur Geschichte des deutschen militärischen Nachrichtendiensts 1914–1945 aus vor allem biographischer Perspektive.

 

 

Dienstag, 17. Dezember 2019, 19.30 Uhr

Altes Amtsgericht, Gerichtsstraße 5, Lübbecke

Bernd Robben, Emsbüren

Das Heuerlingswesen in Nordwestdeutschland

 

Heuerleute, Heuerlinge oder Kötter zählten nahezu 400 Jahre lang zum wesentlichen Bestandteil des Lebens in Nordwestdeutschland. Je nach Region haben über die Hälfte der alteingesessenen heutigen Bevölkerung Heuerleute als Vorfahren.

Dabei erfüllte das Heuerlingswesen eine wichtige gesellschaftliche Funktion, gab es doch den nachgeborenen – wenig erbenden – Töchtern und Söhnen sowohl der Bauern als auch der Heuerleute bis etwa 1960 die Chance zu heiraten und auf dieser Basis eine zumeist sehr bescheidene Existenz zu gründen.

Bernd Robben gibt einen Überblick über das sehr kompakte und auch heute noch sensible Thema. Schwerpunkte dabei sind u. a. die Hollandgängerei und die Massenauswanderung vieler Heuerleute nach Nordamerika.

 

Bernd Robben (geb. 1948) wuchs als ältester Sohn auf einem Bauernhof im Emsland auf. Nach dem Abitur am Gymnasium Georgianum in Lingen studierte er an der Pädagogischen Hochschule Niedersachsen, Abt. Osnabrück. Er war als Lehrer und Rektor im Emsland tätig und betreibt eine Landwirtschaft im Nebenerwerb. Er veröffentlichte bisher acht Arbeiten zum Heuerlingswesen und regionalgeschichtlichen Themen.

 

 

Dienstag, 21. Januar 2020, 19.30 Uhr

Hansehaus, Papenmarkt 2, Minden

Jürgen Sturma, Minden

Neu beTrachtet – Die Trachten des Mindener Landes 

 

Das Mindener Land ist eine volkskundlich sehr reiche Landschaft. Unter den volkskundlichen Sachgütern nehmen die historischen bäuerlichen Trachten eine Sonderstellung ein. Sie wurden von den Volkskundlern schon früh als identitätsstiftendes Element der jeweiligen Region erkannt und in den Dienst der zeitgenössischen Wertevorstellungen gestellt. Das Spannungsfeld zwischen Ideologien, Folklore, Trachtengruppen und Wissenschaft hat einen Blick auf das Phänomen Tracht lange Zeit behindert. Obwohl es eine Vielzahl von Veröffentlichungen über die regionalen Trachten gibt, hat eine gründliche Untersuchung nur unter Teilaspekten stattgefunden. Der Vortrag führt zu neuen Denkansätzen und Fragestellungen, die einen anderen, tieferen Blick auf den Themenbereich Tracht ermöglichen. 

 

Jürgen Sturma, Diplomstudium der Biologie an der TU Braunschweig, wissenschaftlicher Koordinator bei der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit. Zahlreiche Vorträge und Veröffentlichungen zu regionalhistorischen und volkskundlichen Themen, insbesondere über die so genannten Schaumburger Trachten und die Trachten der Schönhengster Sprachinsel in Mähren.

 

 

Dienstag, 11. Februar 2020, 19.30 Uhr

Haus am Dom, Kleiner Domhof 30, Minden

Prof. Dr. Thomas Vogtherr, Osnabrück

Die Anfänge des Bistums Minden in neuer Sicht

 

Die Anfänge der sächsischen Bistümer werden heute anders bewertet als noch vor wenigen Jahrzehnten. Urkunden aus der Karolingerzeit sind als Fälschungen enttarnt worden, erzählende Quellen werden als weniger verlässlich angesehen. Der Blick richtet sich zunehmend auf das Wirken einzelner Personen, vor allem der ersten Bischöfe. Was sagt das Leben und Wirken des ersten Mindener Bischofs Erkanbert über die Entstehung des Bistums aus? Wann wurde aus dem Missionsbezirk ein Bistum mit einem ortsfest residierenden Oberhirten? Und was hat das Ganze mit Karl dem Großen, dem Kloster Fulda und mit Hameln zu tun?

Der Vortrag versucht, den traditionellen Blick auf die Mindener Frühgeschichte und die neuesten Erkenntnisse der Urkundenforschung miteinander zu verbinden. Gezeigt werden soll, wie trotz einer lückenhaften und widersprüchlichen Überlieferung dennoch ein inhaltlich plausibles Bild entwickelt werden kann. Seitenblicke auf Nachbarbistümer wie Paderborn, Münster, Osnabrück, Hildesheim und selbst Halberstadt liefern dafür wesentliche Hinweise.

 

Prof. Dr. Thomas Vogtherr (geb. 1955) war 1993–2001 Inhaber der Professur für Historische Hilfswissenschaften an der Universität Leipzig und ist seit 2001 Professor für Geschichte des Mittelalters an der Universität Osnabrück. Von 2006 bis 2016 leitete er die Historische Kommission für Niedersachsen und Bremen. Er ist Korrespondierendes Mitglied der Historischen Kommission für Westfalen.

 

 

Dienstag, 3. März 2020, 19.30 Uhr

Mindener Museum, Ritterstraße 23, Minden

Dr. Gerhild Komander, Berlin

Ein Fürst zwischen Krieg und Frieden, Kunst und Ackerbau.

Zum 400. Jahrestag des Geburtstages des Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm 

 

Friedrich Wilhelm der Große Kurfürst (1620–1688) verbrachte vier prägende Jugendjahre in den Niederlanden, heiratete die kluge Louise Henriette von Nassau-Oranien und konnte durch diese familiäre Verbindung Spezialisten aus allen Wirtschaftsbereichen und Künstler in die Mark holen.

Wie der Phoenix aus der Asche stieg Brandenburg nach dem Dreißigjährigen Krieg unter seiner Regierung zu einer bedeutenden Macht in Europa auf. Die intensiven Bemühungen um den Wiederaufbau des Landes trugen Früchte und ließen die Kunst des Barock in der Mark heimisch werden. Einen wesentlichen Anteil an dieser „Wiederauferstehung“ trugen die Kontakte des brandenburgischen Kurfürstenhauses zu den Vereinigten Niederlande. Am Ende seines Lebens gelang es Friedrich Wilhelm sogar, den führenden deutschen Kopf der niederländischen Staats- und Völkerrechtsbewegung für Brandenburg zu gewinnen: Samuel von Pufendorf.

 

Dr. Gerhild Komander (geb. 1958) studierte Kunstgeschichte, Geschichte, Germanistik und Literaturwissenschaft in Kiel und promovierte mit einer Arbeit über die Geschichte Brandenburg-Preußens in der Graphik von 1648 bis 1810. Seit 1990 lebt und arbeitet sie als freie Autorin und Dozentin in Berlin. Sie arbeitet zu Themen der Berliner Kulturgeschichte und Frauengeschichte sowie zur Geschichte Brandenburg-Preußens. Sie veranstaltet Stadtführungen in Berlin und Potsdam und hält Vorträge.

 

 

Vortragsprogramm Mindener Geschichtsverein 2019/2020
MG-Flyer Vorträge 2019-2020_web_9-2019.p
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